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Kann die Industrie Gas einsparen? VEA und BDI fehlen politische Unterstützung

Über die Nord Stream 1 fließt aktuell wieder Gas. Zurücklehnen heißt das keinesfalls für den Industriestandort Deutschland, mahnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Zwar kann laut einer BDI-Umfrage die deutsche Industrie durch Brennstoffwechsel viel Gasverbrauch ersetzen. Jedoch vermisst der Verband die zielgerichtete Unterstützung durch die Bundesregierung. Das kurzfristige Auktionieren von Gaseinsparungen reiche aus BDI-Sicht nicht aus.Der Abteilungsleiter Energie- und Klimapolitik des BDI, Carsten Rolle, sprach gegenüber dem Tagesspiegel Background von einem „erheblichen Beitrag zur Einsparung“. Dieser sei möglich, ohne die Industrieproduktion zu drosseln oder gar zu gefährden. Rolle sagt: „Die notwendigen Investitionen sind jedoch oft mit Unsicherheiten unter anderem hinsichtlich der Genehmigungsprozesse verbunden.“

Strom und Wasserstoff ersetzen Gas nicht adäquat
Rolle sieht für die kritischen beiden nächsten Winter Strom und Wasserstoff nicht als adäquaten Ersatz. Gänzlich andere Anlagen müssten für eine solche Energieträgerumstellung geplant, bestellt, installiert und genehmigt werden. „Dabei geht es in der Regel um Zeiträume von drei Jahren und mehr“, so der Abteilungsleiter vom BDI. „Außerdem sei beim Wasserstoff, zum Teil auch beim Strom, für den Verbraucher kaum planbar, wann er mit einem geeigneten Netzanschluss rechnen kann und wann Wasserstoff in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehe.“

Zusätzlich fehlt es Carsten Rolle allgemein an politischer Unterstützung, die durch die Umfrage belegten Einsparpotenziale zu heben: „Die Industrie braucht hier ein klares Signal aus der Bundesregierung, dass es für solche Maßnahmen Unterstützung geben wird, sowohl finanziell als auch regulatorisch. Und mit Blick auf die hohen Substitutionspotenziale und die fortgeschrittene Zeit ist das ein wachsendes Problem.“

Der VEA fordert „Bund muss Investitionen in klimaneutrale Technik unterstützen“
VEA-Geschäftsführer Christian Otto fordert die Politik zum Handeln auf: „Akribisch setzen sich unsere Politiker seit dem Frühjahr dafür ein, die massiv gestiegenen Energiepreise für unsere Volkswirtschaft abzudämpfen. Trotz des wieder anfließenden Gasstroms aus Russland bleibt der Gaspreis gegenwärtig auf einem Rekordniveau. Ein Niveau, das die Existenz vieler energieintensiver mittelständischer Unternehmen gefährdet. Unabhängig von den Anpassungen am EnSiG, einer Priorisierungsfrage oder Auktionsmodellen. Besonders Lösungen fehlen, die in Unternehmen Sicherheit für Investitionen in klimaneutrale Technologien ermöglichen. Der Staat muss in dieser existenzbedrohenden Situation einen Rahmen schaffen, der im Mittelstand für Planbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit sorgt. Nur so kann eine Rezession verhindert, die Inflation gebremst und Wohlstand gesichert werden.“

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