Die Bundesnetzagentur (BNetzA) schreitet bei der Reform der Netzentgeltsystematik mit großen Schritten voran. In den letzten Monaten fanden im Abstand von wenigen Wochen gleich mehrere Expertenworkshops in Bonn statt. Dort wurden die Komponenten der zukünftigen Systematik besprochen. Dies betraf das neue Grundmodell, eventuell kommende dynamische Netzentgelte, Speichernetzentgelte und Einspeisenetzentgelte. Der VEA war zu allen Workshops in Präsenz anwesend und mit eigenen Impulsen und Diskussionsbeiträgen vertreten.
Der nächste Workshop wird schon in der nächsten Woche zum Thema Kostenwälzung stattfinden.
Netzentgeltreform braucht belastbare Datengrundlage
Der VEA begrüßt das Ziel der Bundesnetzagentur, netzdienliches Verhalten stärker zu belohnen. Kritisch sieht der VEA aber, dass es in den Verteilnetzen bislang an einer fundierten Datengrundlage fehlt. Ein Orientierungspapier der BNetzA beschreibt ausdrücklich, dass die Netze der unteren Verteilnetzebenen 5 – 7 bislang nur teilweise ausreichend beobachtbar und Prozesse für das Engpassmanagement allenfalls punktuell vorhanden seien. Wir regen deshalb an, zunächst belastbare Daten, die der Findung substanzieller Lösungen dienen, zu sammeln. Diese Daten wären dann zu nutzen, um Modellierungen zu gestalten und konkrete Ableitungen zu den preislichen Auswirkungen bei den Netznutzern zu treffen.
Der VEA widerspricht der Annahme, dass Engpässe in den oberen Netzebenen dominieren
Der VEA widerspricht der Annahme, dass Engpässe in den oberen Netzebenen dominieren, sehr deutlich. Das Orientierungspapier begründet dies damit, dass bislang nur neun Verteilnetzbetreiber Engpassmanagementkosten angesetzt hätten. In den Mittel- und Niederspannungsebenen träten Netzengpässe bislang allenfalls punktuell auf.
Nach unserer Erkenntnis werden signifikante und zeitnahe Erhöhungen der Netzanschlusskapazitäten seitens der Verteilnetzbetreiber oft abgelehnt, begrenzt oder weit in die Zukunft verschoben. Diese Netzengpässe werden als solche derzeit nicht erkannt, obwohl sie für die Unternehmen nicht nur einen Engpass darstellen, sondern faktisch sogar eine Versagung des Netzzugangs.
Zeitvariable Netzentgelte für die Verteilnetzebenen
Der VEA empfiehlt, für die Spannungsebenen 4 bis 7 zeitvariable Netzentgelte einzuführen, die an das heutige Modell des Atypik angelehnt sind. Grundsätzlich können so Flexibilitätsgewinne und eine stärkere Netzentlastung ermöglicht werden.
Pragmatische Regelungen für Speicher
Stromspeicher leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Flexibilisierung, zur Senkung von Energiekosten und zur Glättung von Lastkurven. Gerade Multi-Use-Speicher in industriellen Anwendungen verbinden Erzeugung, Speicherung und Verbrauch in einem integrierten Optimierungsansatz.
Eine verpflichtende, komponentenscharfe Differenzierung von Strommengen hinter dem Netzanschlusspunkt würde hohe administrative Aufwände, zusätzliche Messanforderungen und komplexe Abgrenzungsfragen verursachen.
Der VEA plädiert daher für eine praxisnahe Lösung: Netznutzer sollten wählen können, ob Strommengen eines Speichers separat abgegrenzt und wie ein Stand-alone-Speicher behandelt werden oder ob eine saldierte Betrachtung gemeinsam mit weiteren Verbrauchs- und Erzeugungseinheiten erfolgt.

Quelle: pexels
- Recht & Regulierung
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