• Recht & Regulierung

Kostenexplosion für den Mittelstand: Gaspreise mehr als verdoppelt

  • Im letzten halben Jahr sind die Preise für Erdgas durchschnittlich um 115% gestiegen.
  • Der VEA rät zu Gasbeschaffung in Tranchen, um den Risiken des angespannten Gasmarktes zu begegnen.

 

Hannover, 24.03.2022. Unternehmen mit hohem Energiebedarf stehen derzeit beim Gaseinkauf vor enormen finanziellen Herausforderungen. Der aktuelle VEA-Erdgaspreisvergleich verdeutlicht die Tragweite der Gaspreissteigerungen in alarmierenden Zahlen: In jedem der 50 untersuchten Netzgebiete Deutschlands sind die Gaspreise innerhalb der letzten sechs Monate um mehr als das Doppelte angestiegen. Grund dafür ist vor allem Russlands Krieg gegen die Ukraine und die damit verbundenen Anspannungen im Gasgroßhandel.

Zusätzlich zu der Extremsituation mit Preisen auf Rekordhoch, wirkt sich der Ukrainekrieg auch auf weitere Aspekte des Gasmarktes aus. „Industrieunternehmen haben es zunehmend schwerer, überhaupt Lieferverträge zu erhalten. Das gefährdet die Produktionsabläufe insbesondere von mittelständischen Unter-nehmen“, fasst Dr. Volker Stuke, Hauptgeschäftsführer des VEA, die Lage zusammen. Er empfiehlt daher, sich von klassischen Festpreisverträgen zu lösen und stattdessen durch eine Energie-beschaffung in Tranchen sowohl das Megen- als auch das Preisrisiko zu minimieren. „Eine individuelle Strategie und der richtige Zeitpunkt sind entscheidend, wenn es darum geht, den Einkaufspreis so niedrig wie eben möglich zu halten“, erklärt Dr. Stuke.

Die größte Preissteigerung in den vergangenen sechs Monaten gab es bei westernetz Bremen. Hier kostet Erdgas inzwischen 119% mehr als im Oktober 2021. Selbst Netze BW mit der vergleichsweise geringsten Preissteigerung, verzeichnet noch einen Anstieg von über 110%. Diese kollektive Erhöhung zeigt deutlich, dass die enormen Preise ihren Ursprung im allgemein belasteten Großhandel haben.

Der VEA-Erdgaspreisvergleich dokumentiert aber auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Netzgebieten in Deutschland. Der durchschnittliche Gaspreis der zehn teuersten Gebiete liegt mit 10,33 Ct/kWh fast 3% höher als der Mittelwert der zehn günstigsten Netze von 10,05 Ct/kWh. Der gesamte Durchschnitt aller betrachteten Netze lag im letzten Halbjahr bei 10,17 Ct/kWh.

Das aktuell günstigste Netzgebiet ist das Dortmunder Netz mit 9,98 Ct/kWh. Auf dem zweiten Platz folgt das OsthessenNetz mit Sitz in Fulda, Platz drei belegt Energienetze Bayern mit Sitz in München. Die höchsten Preise ruft im Vergleich SWKiel Netz auf. Hier kostet das Erdgas im Tagesdurchschnitt 10,42 Ct/kWh. Darauf folgen die Netze BW mit Sitz in Stuttgart und SWE Netz mit Sitz in Erfurt.

Im Gaspreisvergleich publiziert der VEA für 15 definierte Abnahmefälle realistische Preisindikationen, wie sie vertragsfreie und wechselbereite Gaskunden in den 50 vom VEA untersuchten Netzgebieten im Rahmen einer bundesweiten Ausschreibung am Markt einholen können. Grundlage für die genannten Preise sind Vollversorgungsverträge mit Vertragsbeginn 1. April 2022 und einer Laufzeit von 12 Monaten, die im 1. Quartal 2022 abgeschlossen wurden. Der Preisvergleich berücksichtigt alle Kosten außer Erdgas- und Mehrwertsteuer.

Weitere Informationen zum aktuellen VEA-Preisvergleich stellt der VEA Ihnen gern auf Anfrage zur Verfügung.

 

Über den VEA

Der VEA ist mit 4.500 Mitgliedsunternehmen der bedeutendste Energiedienstleister für die energieintensive, mittelständische Wirtschaft. Mit dem Ziel, seinen Kunden bei allen Fragen der Energiekostenreduzierung zur Seite zu stehen, unterstützt und berät der VEA mit hoher Fachkompetenz und Unabhängigkeit bei der Strom- und Gasbeschaffung, bei Fragen zu Steuern und Umlagen sowie zu Energieeffizienz und -managementsystemen.