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Fakten aus Übersee und Europa: Stiftung Familienunternehmen präsentiert Studie zur Energieversorgungssicherheit

Im zweijährlichen Rhythmus erstellt die Stiftung Familienunternehmen einen Länderindex, der umfassend die relevanten Standortmerkmale für Familienunternehmen untersucht. Die Studie analysiert Indikatoren zu Preisen und der Versorgungssicherheit von Energie. In den vergangenen Jahren hatte der Länderindex bereits auf die im internationalen Vergleich hohen Risiken der deutschen Energieimporte hingewiesen. Die Gründe waren ein zu geringer Diversifikationsgrad und preisliche Nachteile. Die Studie aktualisiert und vertieft diese Analyse angesichts der derzeitigen Zuspitzung. Die Analyse nimmt zudem Betroffenheit von in Europa gelegenen Ländern sowie Japan, Kanada sowie die USA auf und damit die Konsequenzen des Energiemarktschocks für die Wettbewerbsfähigkeit von Industriestandorten im internationalen Vergleich in den Blick.

Im europäischen Vergleich befindet sich Deutschland mit einer erhöhten Risikobewertung im oberen Mittelfeld. Hier kommt bereits der hohe Anteil russischer Gasimporte zum Tragen, sie machten in den Jahren 2018 bis 2020 knapp 56 Prozent der gesamten deutschen Gasimporte aus. Noch höhere Importrisiken bei Gas weisen Finnland sowie Ungarn, die Slowakei und Tschechien auf, die in noch stärkerem Maße von Importen aus Russland abhängig sind.

Mögliche Gasrationierung würde Chemie-, Metall- und Papierindustrie hart treffen
Eine in der Studie enthaltene Branchenanalyse zeigt auf: Die deutsche chemische Industrie (rund 127.000 GWh), die Metallerzeugung und -bearbeitung (rund 85.000 GWh) sowie die Industrie die Papier, Pappe und zugehörige Waren verarbeitet (rund 28.000 GWh) weisen die mit Abstand höchsten Gaseinsätze auf. Das mit Abstand höchste Risiko für die deutsche Volkswirtschaft aus der Abhängigkeit von Gas resultiert aus diesen drei Branchen. Ebenfalls eine hohe Bedeutung haben die Energierisiken der Branchen Kokerei sowie Mineralölverarbeitung und die Automobilindustrie. Allerdings sind erhebliche Schäden in weiteren, weniger energieintensiven Sektoren aufgrund von dann fehlenden Vorprodukten nicht ausgeschlossen.

Deutschland gehört in der Studie zu den Ländern, die zwischen dem ersten Quartal 2021 und dem ersten Quartal 2022 einen besonders starken Anstieg im Strom- und Gaspreis zu verzeichnen hatten. Höher fiel er nur bei den Niederlanden aus. Beim Strompreis zählt Deutschland auf dem stark erhöhten Niveau weiterhin zu den Standorten mit dem höchsten Preisniveau. Dabei steigt der Abstand zu den Niedrigpreisländern in Europa und Nordamerika markant an. Deutschland gehört damit beim Strompreis zusammen mit den Niederlanden immer stärker zu einer Hochpreisinsel.

„Situation erkennen und Energiemärkte jetzt stabilisieren“
„Diese Studie verdeutlicht klar, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland global gesehen ganz unten rangiert – zumindest was die Kosten bei der Energiebeschaffung betrifft. Aktuell erreichen die Preise auf dem Energiemarkt beinahe täglich neue Rekorde. Eine Situation entsteht, in der sich viele Unternehmen vor der Existenzfrage sehen. Trotz ihrer vielen gegenwärtigen Bemühungen: Unser Appell richtet sich an die Bundesregierung. Sie muss diese Entwicklungen erkennen und weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Energiemärkte ergreifen. Denn wir sehen nicht nur einzelne Branchen vor schwierigen Zeiten. Mögliche Kaskadeneffekte können zum Stillstand bei rohstoffverarbeitenden Firmen führen, die Auswirkungen bis hin zur veredelnden Industrie haben können“, empfiehlt VEA-Geschäftsführer Christian Otto.

Die Stiftung Familienunternehmen hat eine umfangreiche Studie veröffentlicht, die klare Risiken und Abhängigkeiten aufzeigt. Der VEA hilft Ihnen mit möglichen Lösungen, um die Risiken für Ihr Unternehmen möglichst klein zu halten. Sprechen Sie mit Ihrem VEA-Berater.